Elektromobilität: wo kommt der Strom her?

Neuwagen sollen in der EU ab 2035 emissionsfrei sein. Elektrofahrzeuge werden dabei als emissionsfrei betrachtet. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht diskutieren, ob das angesichts der Umweltverschmutzungen bei der sehr energieintensiven Herstellung der Batterien tatsächlich der Fall ist. Aber manchmal hilft es ein wenig zu rechnen, wenn man sich die Dimensionen von Problemen vor Augen führen möchte. Abstrahieren wir also von der Herstellung des Autos und konzentrieren uns auf den Betrieb.

Ein normales Elektroauto hat im echten Leben (nicht auf dem Prüfstand im Testzyklus) einen Verbrauch von etwa 20 KWh auf 100 Kilometer. In Deutschland legen Inländer nach der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes im Jahr ungefähr 630 Mrd. Kilometer im PKW zurück. Wollte man alle PKW in Deutschland elektrisch betreiben, käme man auf einen Stromverbrauch von 126.000 GWh. Das ist ziemlich genau exakt so viel, wieviel alle Windräder zusammen 2020 eingespeist haben und fast dreimal so viel wie im selben Jahr durch Photovoltaik erzeugt worden ist. Nun nehmen wir einmal an, dass man diesen Strom komplett mit nachhaltiger Windenergie erzeugen wollte, und unterstellen vereinfachend, dass die Herstellung der Windkraftanlagen CO2-frei ist. Nimmt man weiter an, dass wir dafür unbegrenzten Zugriff auf die mächtigsten Offshore-Windkraftanlagen der Welt hätten, die ins Meer betoniert werden und in der Rotorspitze eine Höhe von etwa 220 Metern aufweisen – 63 Meter höher als die Spitze des Kölner Doms. Solche Windkraftanlagen haben eine Leistung von jeweils etwa 12 MW. Unter idealen Bedingungen können solche Anlagen pro Jahr in etwa 67 GWh an Strom produzieren. Unterstellen wir weiter vereinfachend (und etwas heroisch), dass die Leistung sehr gleichmäßig anfällt und keine Leitungsverluste entstehen. Dann benötigt man selbst bei stark idealisierten (und damit viel zu optimistischen Annahmen) knapp 2000 dieser gigantischen Windkraftanlagen, um den deutschen Auto-Fuhrpark CO2-frei betreiben zu können. In Wirklichkeit wäre es vermutlich eher 4000 Anlagen, da für windarme Zeiten Wasserstoff als Pufferenergie produziert werden müsste, was mit großen Effizienzverlusten einhergeht. Bei einem Abstand von 500 Metern würden sich diese Windräder an einer 2000 Kilometer langen Perlenkette reihen.

 

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