Die Zahl der Emissionsrechte muss sinken

Citywire, 29.11.2021

Hanjo Allinger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der TH Deggendorf und Geschäftsführer der CAP2, spricht über die Schwierigkeit nachhaltiger Anlagen.

Nachdem die Beschlüsse der 2015 UN-Klimakonferenz in Paris im Januar in Kraft getreten sind, ist eine sichere Kompensation der eigenen Emissionen durch Kompensationsprojekte kaum noch möglich. Weil sich jetzt jedes Land individuell zu einer Reduktion der Emissionen verpflichtet hat, besteht stets die Gefahr, dass die Gast-Länder von Klimaprojekten in Folge des Engagements von Klimaschützern eigene Bemühungen zur CO₂-Reduzierung verringern. Damit kann die dort erzielte Einsparung nicht mehr sicher als zusätzlich erbracht angesehen werden und mit eigenen Emissionen verrechnet werden. Leider konnte auch die Klimakonferenz in Glasgow dieses Problem nicht aus der Welt schaffen. Größtenteils wird es nur noch komplizierter.

Kapitalanleger haben sich aus Mangel an Alternativen lange auf die Umstrukturierung des Portfolios konzentriert: Aktien von Unternehmen mit hohen Emissionen werden gegen Unternehmensanteile klimafreundlicherer Firmen ausgetauscht. Doch darunter kann nicht nur die Performance leiden, auch inhaltlich ist das Vorgehen unbefriedigend: Schließlich werden so keine Emissionen vermieden, sie werden lediglich vom Käufer der Aktien verantwortet und nicht mehr von einem selbst.

 

„Entscheidend ist, dass weniger klimarelevante Gase emittiert werden.“

 Selbst die Politik scheint sich in Diskussionen darüber zu verstricken, welches Kohlekraftwerk wann und für wie hohe Schadensersatzzahlungen abgeschaltet werden soll. Dabei ist das gar nicht die entscheidende Frage: Energieerzeuger sind in Europa zu 100% dem Emissionshandel unterworfen. Wird ein Kraftwerk abgeschaltet, könnten die freiwerdenden Emissionsberechtigungen von anderen genutzt werden. Wenn diese nicht dauerhaft vom Markt genommen werden, verändert sich die Gesamtmenge der Emissionen in Europa nicht. Dies gilt es zu verhindern. Wer emittiert, ist für das Klima irrelevant, entscheidend ist, dass weniger klimarelevante Gase emittiert werden.

Der Schlüssel zum Klimaschutz liegt daher in der Reduktion der im europäischen Emissionshandel verfügbaren Emissionsrechte, nicht nur für Staaten, auch für jeden einzelnen. Der europäische Emissionshandel stellt sicher, dass stets nur im Umfang der ausgegebenen Rechte Emissionen in die Luft gelangen. Wer eine Tonne CO₂ oder äquivalente Abgase für weniger als €70 vermeiden kann, die derzeit für ein Verschmutzungsrecht gezahlt werden müssen, vermeidet. Wer höhere Vermeidungskosten hat, muss anderen Emissionsrechte abkaufen.

Vier Anbieter machen in Deutschland Klimaschutz durch die Stilllegung von Emissionsberechtigungen für alle möglich. So beispielsweise ForTomorrow und The Compensators auf Non-Profit-Basis sowie gewerblich 50zero und speziell für Kapitalanleger CAP2.

 

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