{"id":2954,"date":"2025-03-10T09:21:09","date_gmt":"2025-03-10T09:21:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cap2.eu\/?p=2954"},"modified":"2026-01-26T13:09:11","modified_gmt":"2026-01-26T13:09:11","slug":"wohin-will-der-eua-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cap2.eu\/de\/wohin-will-der-eua-preis\/","title":{"rendered":"Wohin will der EUA Preis?"},"content":{"rendered":"<p>Preisprognosen f\u00fcr EU-Emissionszertifikate (EUA) variieren naturgem\u00e4\u00df je nach Studie und zugrunde liegenden Annahmen erheblich. W\u00e4hrend einige Analysen nur einen modera-ten Preisanstieg prognostizieren, gehen andere bis 2027 von deutlich h\u00f6heren Preisen aus. Veyt prognostiziert in einer Studie von Oktober 2024 einen Preis von 160\u202f\u20ac\/t CO\u2082 im Jahr 2027. Ein Konsensbericht ermittelte einen durchschnittlichen erwarteten Preis von 120\u202f\u20ac\/t CO\u2082 im Jahr 2027 . Die Sch\u00e4tzung basiert auf einer Zusammenfassung ver-schiedener Studien und Expertenmei-nungen, die unterschiedliche Szenarien und Annahmen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Auch wir bei CAP2 sind \u00fcberzeugt, dass die Rahmenbedingungen f\u00fcr ein weiteren Anstieg der Preise sprechen. Daf\u00fcr sehen wir insbesondere die folgenden Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorziehung zuk\u00fcnftiger Auktionsvolumen im Jahr 2024<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen des REPowerEU-Plans hat die Europ\u00e4ische Kommission beschlossen, einen Teil der f\u00fcr die Jahre 2027\u20132030 vorgesehenen Emissionszertifikate be-reits im Jahr 2024 zu versteigern. Dies geschah mit der Begr\u00fcndung, kurzfristige Finanzierungsbedarfe f\u00fcr die Energiewende und die Reduzierung der Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen zu decken. Laut offiziellen Angaben wurden insgesamt rund 34,7 Millionen EUAs vorgezogen und fr\u00fchzeitig auf den Markt gebracht. Kurzfristig (2024\u20132025) sorgt die Ma\u00df-nahme f\u00fcr ein leicht erh\u00f6htes Angebot an Emissionszertifikaten, was den Preisdruck verringern k\u00f6nnte. Mittel- bis langfristig (ab 2027) f\u00fchrt die Vorziehung zu einer steileren Verknappung der verf\u00fcgbaren Zertifikate, da das urspr\u00fcnglich geplante Auktionsvolumen in diesen Jahren geringer sein wird. Dies verst\u00e4rkt die ohnehin durch j\u00e4hrlichen Cap und Marktstabilit\u00e4tsreserve intendierte Verknap-pung der verf\u00fcgbaren EUA zus\u00e4tzlich ab 2027. Schon fr\u00fcher d\u00fcrfte die Erwartung der Verknappung zu einem h\u00f6heren Preisniveau f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Verknappungen durch das &#8222;Fit for 55&#8220;-Paket<\/strong><\/p>\n<p>Das im Juni 2023 inkraftgetretene Geset-zespaket enth\u00e4lt eine Vielzahl von Ma\u00dfnahmen, die in der Summe zu einer deut-lichen Verknappung Emissionsrechte in den kommenden Jahren f\u00fchren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>St\u00e4rkere Reduktion der insgesamt verf\u00fcgbaren Zertifikate (EUA-Cap-Senkung).<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00e4hrliche Reduktionsrate (Linear Re-duction Factor, LRF) wurde bis 2027 von 2,2\u202f% auf 4,3\u202f% und ab 2028 auf 4,4\u202f% pro Jahr erh\u00f6ht. Es kommen damit jedes Jahr deutlich weniger neue Emissionsrechte auf den Markt als im Vorjahr. K\u00f6nnen nicht im selben Ausma\u00df Effizienzreserven ausgesch\u00f6pft werden, verschlimmert sich die Knappheitssituation der EUA bei gleichbleibendem Produktionsvolumen jedes Jahr deutlich mehr als entlang des urspr\u00fcnglichen Pfades. Dieses Szenario scheint realistisch, da es kaum m\u00f6glich sein wird, im selben Umfang Effizienzreserven \u00fcber alle Produktionsprozesse hinweg zu erreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einmalige K\u00fcrzung des EUA-Angebots<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Erh\u00f6hung der j\u00e4hrlichen Re-duktion wurde einmalig eine zus\u00e4tzliche K\u00fcrzung (One-off reduction) von 90 Milli-onen EUA im Jahr 2024 und 27 Millionen EUA im Jahr 2026 beschlossen. Diese Ma\u00dfnahme entzieht dem Markt auf einen Schlag eine erhebliche Menge an Emissi-onsrechten, f\u00fcr 2024 entspricht dies fast 9 Prozent der insgesamt im Umlauf befindlichen Emissionsrechte (TNAC).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Versch\u00e4rfung der Marktstabilit\u00e4tsreserve (MSR)<\/strong><\/p>\n<p>Die Marktstabilit\u00e4tsreserve (MSR) ist ein 2019 in Kraft getretener Mechanismus, der \u201e\u00dcbersch\u00fcsse\u201c an EUA-Zertifikaten aus dem Markt aufnimmt, um den Preis zu stabilisieren. Die Definition des \u00dcberschusses erfolgte relativ freih\u00e4ndig und weitgehend theoriefrei durch den Ge-setzgeber. Eine Menge von 400 bis 833 Millionen in Umlauf befindlichen Emissionsrechten (TNAC) wurde als angemessen festgelegt. Bei mehr als 833 Millionen, aber weniger als 1096 Millionen EUA im Umlauf, werden neuerdings alle \u00fcber 833 Mio hinausgehenden EUA in die MSR eingestellt . Sind mehr als 1096 Millionen EUA in Umlauf, h\u00e4tten eigentlich ab 2024 wieder 12% der \u00fcber 833 Millionen hinausgehenden Menge in die MSR eingestellt werden sollen. Bislang wurden 24% der \u00fcbersch\u00fcssigen Zertifikate j\u00e4hrlich in die MSR \u00fcberf\u00fchrt. Diese Regelung wurde bis 2030 verl\u00e4ngert, so dass es vorerst bei der h\u00f6heren Einstellung von 24% bleibt. Ebenfalls versch\u00e4rft wurde durch \u201efit for 55\u201cdie maximale Anzahl an EUA, die in der MSR gehalten werden k\u00f6nnen. Alle dar\u00fcber hinausgehenden Verschmutzungsrechte werden f\u00fcr immer gel\u00f6scht. Galt zuvor eine dynamische Obergrenze, die sich aus der Auktionsmenge des Vorjahres ergab, gilt nun eine zus\u00e4tzliche absolute Grenze von 400 Millionen. Die dynamische Schwelle bleibt zwar weiterhin bestehen, sie greift jedoch nur noch dann, wenn der MSR-Bestand unter 400 Mio. sinkt, aber noch \u00fcber der Auktionsmenge des Vorjahres liegt. Basierend auf der Auktionsmenge 2023, die sich anhand der Ver\u00f6ffentlichungen der EU Kommission mit rund 475 Millionen EUA berechnen l\u00e4sst, w\u00e4ren ohne diese zus\u00e4tzliche fixe Schwelle folglich etwa 75 Millionen EUA weniger aus der MSR gel\u00f6scht worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einbindung des Seeverkehrs in das EU-ETS<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2024 wurde der Schiffsverkehr schrittweise in das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) integriert . Dies betrifft zun\u00e4chst gro\u00dfe Seeschiffe (\u00fcber 5000 BRZ), die zwischen EU-H\u00e4fen verkehren oder von\/nach Drittl\u00e4ndern fahren. Die Regulierung ist so gestaltet, dass die vollst\u00e4ndige Abdeckung der Emissionen erst bis 2026 erreicht wird:<\/p>\n<p>\u2022 2024: 40\u202f% der CO\u2082-Emissionen m\u00fcssen mit EUAs abgedeckt werden<br \/>\n\u2022 2025: 70\u202f% der CO\u2082-Emissionen<br \/>\n\u2022 2026: 100\u202f% der CO\u2082-Emissionen<\/p>\n<p>F\u00fcr die zus\u00e4tzlich vom ETS abgedeckten Emissionen werden EUA 78,4 Millionen zus\u00e4tzliche EUA ausgegeben. Dies d\u00fcrfte eher knapp bemessen sein. Die Zahl beruht auf einer Sch\u00e4tzung auf Basis von Daten aus EU-Monitoring-, Berichterstattungs- und Verifizierungsverordnung (EU-MRV), die seit 2018 die CO\u2082-Emissionen von Schiffen mit einer Bruttoraumzahl von \u00fcber 5.000 erfasst. Im Jahr 2021 betrugen die gemeldeten Emissionen des Seeverkehrs etwa 124 Millionen Tonnen CO\u2082. Der Haken dabei: Die Menge an EUAs f\u00fcr die Schifffahrt wurde bereits ab 2024 dem Markt zugeteilt, obwohl die tats\u00e4chliche Nachfrage aus dem Sektor erst in den kommenden Jahren vollst\u00e4ndig zum Tragen kommt (DEHSt, 2024). In dieser Konstellation sind kurz- und mittelfristige Auswirkungen auf den EUA-Preis in unterschiedlicher Richtung zu erwarten. Kurzfristig (2024\u20132025) k\u00f6nnte ein tempor\u00e4res \u00dcberangebot an Zertifikaten den Preisanstieg bremsen, bzw. bereits gebremst haben, da die Nachfrage durch die Seeschifffahrt erst allm\u00e4hlich anzieht. Mittel- bis langfristig ist ab 2026 durch die vollst\u00e4ndige Einbindung des Seeverkehrs mit einem signifikanten Anstieg der Nachfrage zu rechnen, w\u00e4hrend sich das Angebot nicht weiter erh\u00f6ht. Steigende Preise w\u00e4ren die Folge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anstieg der Energienachfrage bei sich leerenden Gasspeichern<\/strong><\/p>\n<p>Ein Wiederanstieg der industriellen Aktivit\u00e4t nach wirtschaftlichen Abschw\u00fcngen erh\u00f6ht typischerweise die Nachfrage nach Emissionszertifikaten. Zudem kann ein Anstieg der Gaspreise dazu f\u00fchren, dass Industrien vermehrt auf kohlenstoffintensivere Brennstoffe wie Kohle zur\u00fcckgreifen, was wiederum die Nachfrage nach EUAs erh\u00f6ht. Gleichzeitig haben wir jedoch derzeit ein strukturelles Gasspeicher-Problem in Europa. Das h\u00e4ngt auch mit dem ausgelaufenen Transvertrag f\u00fcr russisches Erdgas zusammen, das bisher \u00fcber Pipelines in der Ukraine geleitet wurde. Geringe Speicherst\u00e4nde bedeuten aber h\u00f6here Gaspreise, und h\u00f6here Gaspreise f\u00fchren zu mehr Kohleverstromung. Daf\u00fcr werden mehr EUA ben\u00f6tigt, was deren Preise abermals stimulieren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abbau kostenloser Zertifikate f\u00fcr die Industrie<\/strong><\/p>\n<p>Die kostenlose Zuteilung von EUA-Zertifikaten an bestimmte Industrien (z. B. Stahl, Zement, Chemie) wird ab 2026 schrittweise abgeschafft. Bis 2030 sinkt der Anteil kostenloser Zertifikate bereits um 48\u202f%, bis 2034 um 100\u202f%.<br \/>\nEinige Marktbeobachter erwarten als Folge davon eine weitere Verknappung des Angebots, die ebenfalls preissteigernd wirken w\u00fcrde. Wir gehen eher davon aus, dass hier keine oder nur sehr geringe Preisimpulse freigesetzt werden. Da der CAP im EU ETS und damit die An-zahl verf\u00fcgbarer EUA gleich bleibt, \u00e4ndert sich lediglich der Verteilungsmechanismus, nicht die Gesamtmenge. Eine verbreitete Unsicherheit \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Preise und eine damit einhergehende verst\u00e4rkte Vorratshaltung von EUA k\u00f6nnte allerdings zu einem zus\u00e4tzlichen Impuls auf die Preise f\u00fchren. Tempor\u00e4r w\u00e4re mit einer h\u00f6heren Volatilit\u00e4t der Preise zur rechnen, allerdings nicht mit einem nachhaltigen, strukturellen Anstieg. Ob die neu gemischten Karten auf Seiten der Nachfrager dazu f\u00fchren, dass einzelne Akteure zu relevanter Marktmacht gelangen und durch strate-gische Bieterverhalten Preise beeinflussen k\u00f6nnten, wird abzuwarten sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cap2.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/CAP2-Standpunkt-Wohin-will-der-EUA-Preis-1.pdf\">Laden Sie hier den gesamten Artikel als pdf runter.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Preisprognosen f\u00fcr EU-Emissionszertifikate (EUA) variieren naturgem\u00e4\u00df je nach Studie und zugrunde liegenden Annahmen erheblich. W\u00e4hrend einige Analysen nur einen modera-ten Preisanstieg prognostizieren, gehen andere bis 2027 von deutlich h\u00f6heren Preisen aus. Veyt prognostiziert in einer Studie von Oktober 2024 einen Preis von 160\u202f\u20ac\/t CO\u2082 im Jahr 2027. Ein Konsensbericht ermittelte einen durchschnittlichen erwarteten Preis von 120\u202f\u20ac\/t CO\u2082 im Jahr 2027 . Die Sch\u00e4tzung basiert auf einer Zusammenfassung ver-schiedener Studien und Expertenmei-nungen, die unterschiedliche Szenarien und Annahmen ber\u00fccksichtigen. Auch wir bei CAP2 sind \u00fcberzeugt, dass die Rahmenbedingungen f\u00fcr ein weiteren Anstieg der Preise sprechen. 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