{"id":2895,"date":"2024-08-06T09:22:54","date_gmt":"2024-08-06T09:22:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cap2.eu\/?p=2895"},"modified":"2026-01-26T13:09:11","modified_gmt":"2026-01-26T13:09:11","slug":"wie-geht-es-weiter-mit-dem-preis-fuer-eu-emissionsrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cap2.eu\/de\/wie-geht-es-weiter-mit-dem-preis-fuer-eu-emissionsrechte\/","title":{"rendered":"Wie geht es weiter mit dem Preis f\u00fcr EU-Emissionsrechte?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was beeinflusst die Preisentwicklung von EU-Emissionszertifikaten?<\/strong><\/p>\n<p>Ein, wenn nicht sogar der wichtigste Treiber der Preisentwicklung f\u00fcr EU-Emissionszertifikate (EUAs) ist die Strommarkt in der EU. Der Zusammenhang zwischen Strommarkt und EUA-Preisen ist vielschichtig und dynamisch. Eine h\u00f6here Stromnachfrage f\u00fchrt tendenziell zu steigenden EUA-Preisen, da mehr fossile Brennstoffe genutzt werden und somit mehr Emissionsrechte ben\u00f6tigt werden. Gleichzeitig beeinflussen aber auch Faktoren wie Brennstoffpreise, technologische Entwicklungen und regulatorische Ma\u00dfnahmen diese Beziehung. In dieser Publikation analysieren wir die unterschiedlichen Einflussfaktoren und wagen einen Ausblick f\u00fcr den EUA-Preis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einfluss der Stromnachfrage auf den EUA-Preis<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Analyse des Einflusses der Stromnachfrage auf den EUA-Preis muss zwischen direktem und indirektem Einfluss sowie langfristigen Trends unterschieden werden. Direkten Einfluss hat folglich die Nachfrage als solche: Bei steigender Stromnachfrage, insbesondere in Spitzenzeiten, m\u00fcssen Kraftwerke mehr Strom produzieren. In vielen F\u00e4llen bedeutet dies, dass fossile Brennstoffe wie Kohle und Gas verwendet werden, die h\u00f6here CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verursachen. Dies erh\u00f6ht die Nachfrage nach Emissionsrechten, was wiederum die EUA-Preise nach oben treibt. Sinkt die Stromnachfrage, beispielsweise durch energieeffizientere Technologien oder wirtschaftliche Abschw\u00fcnge, wird weniger Strom produziert und somit weniger Emissionen verursacht. Dies f\u00fchrt zu einem geringeren Bedarf an Emissionsrechten und kann die EUA-Preise senken. Indirekt beeinflussen die Brennstoffpreise diesen Prozess. Wenn Gas billig ist, k\u00f6nnten Energieproduzenten von Kohle zu Gas wechseln, was weniger CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und somit eine geringere Nachfrage nach EUA bedeutet. Dies kann die Preise f\u00fcr EUA senken. Auch k\u00f6nnen \u00c4nderungen in der Energiepolitik, wie z.B. die Einf\u00fchrung von erneuerbaren Energien oder strengere Emissionsgrenzen, die Nachfrage nach Strom aus fossilen Brennstoffen beeinflussen und somit indirekt auch die EUA-Preise. Eine verst\u00e4rkte F\u00f6rderung von erneuerbaren Energien kann zu einer geringeren Nachfrage nach Emissionsrechten f\u00fchren und die EUA-Preise senken. Langfristige Bem\u00fchungen zur Dekarbonisierung der Stromerzeugung durch den Ausbau erneuerbarer Energien und technologische Innovationen tragen zu einer Verringerung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bei. Dies verringert die Abh\u00e4ngigkeit von Emissionsrechten und stabilisiert oder senkt langfristig die EUA-Preise. Strengere Klimaziele und eine Reduktion der verf\u00fcgbaren Emissionsrechte im EU ETS erh\u00f6hen den Druck auf Unternehmen, ihre Emissionen zu reduzieren, was die EUA-Preise steigen lassen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Niedrigere Stromnachfrage in EU<\/strong><\/p>\n<p>Die folgende Abbildung verdeutlicht, dass die Stromnachfrage in der EU im Vergleich zu den letzten acht Jahren weiterhin recht niedrig ist. Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Nachfrageeinbruch? Zum einen befindet sich die europ\u00e4ische Wirtschaft, insbesondere der Industriesektor, in einer leichten Rezession, was die Nachfrage nach Strom weiterhin d\u00e4mpft. Zum andern spielt aber auch die zunehmende Verbreitung der dezentralen Solarstromerzeugung eine Rolle. Haushalte und Unternehmen erzeugen vermehrt ihren eigenen Strom durch Solaranlagen, was die Abh\u00e4ngigkeit vom zentralen Stromnetz verringert. In Deutschland sind bereits rund 14 GWh an Batteriespeicherkapazit\u00e4t installiert, was die Nutzung von Solarstrom weiter unterst\u00fctzt und die Netzunabh\u00e4ngigkeit erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stromproduktion vermehrt aus nicht CO<sub>2<\/sub>-emittierenden Quellen<\/strong><\/p>\n<p>In der weiteren Analyse der Daten zeigt sich, dass der Anteil der nicht CO<sub>2<\/sub>-emittierenden Quellen in 2024 deutlich \u00fcber dem Anteil der Vorjahre liegt. Dies wird auch aus nachfolgender Abbildung ersichtlich. So stammt im Mai 2024 bereits 75% des Stroms aus vorwiegend erneuerbaren Energiequellen. Im ersten Quartal 2024 erreichte der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland einen Rekordwert von 58,4 Prozent. Dies ist der h\u00f6chste Anteil in einem ersten Quartal. Die wichtigsten erneuerbaren Energiequellen waren die Windenergie mit einem Anteil von 38 Prozent und die Photovoltaik mit einem Anteil von 6,6 Prozent. Die g\u00fcnstigen Witterungsbedingungen zu Beginn des Jahres mit milden Wintertemperaturen, g\u00fcnstigen Windverh\u00e4ltnissen und geringer Bew\u00f6lkung trugen wesentlich zu diesem Anstieg bei. Diese Bedingungen f\u00fchrten zu einem Anstieg der Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik. Gleichzeitig ging die Stromerzeugung aus konventionellen Energietr\u00e4gern wie Kohle und Gas zur\u00fcck. Die Stromerzeugung aus Kohle ging um 28,2 Prozent zur\u00fcck, die aus Erdgas um 1,9 Prozent. Dieser Trend ist auch in anderen europ\u00e4ischen deutlich zu beobachten. Insbesondere in L\u00e4ndern mit stark ausgebauter Wind- und Solarinfrastruktur wie D\u00e4nemark, Spanien und den Niederlanden stieg der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung deutlich an. Insgesamt haben diese Entwicklungen dazu beigetragen, dass Europa in den ersten vier Monaten dieses Jahres die niedrigsten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in diesem Sektor verzeichnet. Das Jahr 2024 ist auf dem besten Weg, das Jahr mit den niedrigsten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen aus der Stromerzeugung zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gas-Preis als Gamechanger? Unsicherheit LNG<\/strong><\/p>\n<p>Die geringere Stromnachfrage und der Anstieg des Anteils nicht CO2-emittierenden Quellen am Strommix sollten weiterhin preisd\u00e4mpfend auf den EUA-Preis wirken. Gamechanger in diesem Szenario k\u00f6nnte der Gaspreis sein. Es gibt n\u00e4mlich einige Argumente, die f\u00fcr in der n\u00e4chsten Zeit steigenden Gaspreise sprechen. Tendenziell gibt es eine hohe Korrelation\u00a0 zwischen Gas- und EUA-Preis, d.h. dass die Preise f\u00fcr Gas und EAU tendenziell gemeinsam steigen oder fallen. Aktuell wirkt sich das LNG (\u00dcber)Angebot d\u00e4mpfend auf den Gaspreis aus. Durch die Auswirkungen von El Ni\u00f1o auf den Wasserstand im Panamakanal, ist die Anzahl der Schleusungen in diesem Jahr auf einem Rekordtief. Da der Transport von LNG nach Asien durch den Panamakanal erschwert ist, weichen viele LNG-Tanker auf Routen nach Europa aus. Damit wird Europa zu einem bevorzugten Ziel f\u00fcr LNG-Lieferungen. Sobald sich dieses Ph\u00e4nomen abschw\u00e4cht \u00ad und man kann in den folgenden Abbildungen bereits erkennen, dass der Tiefpunkt der Schleusungen bzw. der Hochpunkt LNG Gasimporte erreicht wurde\u00ad, sollte der Gaspreis wieder steigen. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnten die Hurrikansaison das LNG-Angebot verknappen. Die saisonalen Vorhersagen der Colorado State University (CSU) f\u00fcr die Hurrikansaison 2024 im nordatlantischen Becken deuten auf eine extrem aktive Saison hin. Die Auswirkungen von Hurrikanen auf den LNG-Export sind erheblich. So f\u00fchrte der Hurrikan Laura im Jahr 2020 zur vor\u00fcbergehenden Schlie\u00dfung von LNG-Exportanlagen an der US-Golfk\u00fcste, was die Gaslieferungen beeintr\u00e4chtigte. Ebenso verursachte der Hurrikan Ida im Jahr 2021 erhebliche St\u00f6rungen der Energieinfrastruktur, einschlie\u00dflich der LNG-Exporte, was zu einem Anstieg der Gaspreise f\u00fchrte. Kurzfristige Unterbrechungen der LNG-Exporte aus dem Golf von Mexiko durch Hurrikane k\u00f6nnten daher die Gaspreise in die H\u00f6he treiben und, wenn die Korrelation mit den EUA-Preisen anh\u00e4lt, zu h\u00f6heren EUA-Preisen f\u00fchren. Der H\u00f6hepunkt der Hurrikansaison liegt zwischen Mitte August und Ende Oktober. Dieser Zeitraum ist besonders kritisch, da die Energieinfrastruktur entlang der Golfk\u00fcste anf\u00e4llig f\u00fcr St\u00f6rungen ist, die zu erheblichen Preisschwankungen auf dem Gasmarkt f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angebotsseite wirkt preisd\u00e4mpfend<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Zahlen zur kostenlosen Zuteilung und Versteigerung von EU-Emissionsberechtigungen zeigen, dass das Gesamtangebot an EUAs im Jahr 2024 um mindestens 6 % h\u00f6her sein wird als im Vorjahr, ohne den vollen Umfang der Marktstabilit\u00e4tsreserve zu ber\u00fccksichtigen. Dies auf drei Hauptfaktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Vorverlegung des Zertifikatsangebots: Zertifikate, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr sp\u00e4tere Jahre vorgesehen waren, werden vorzeitig auf den Markt gebracht.<\/li>\n<li>Die Einf\u00fchrung neuer Erf\u00fcllungseinheiten, die kostenlose Zertifikate erhalten, tr\u00e4gt ebenfalls zur Erh\u00f6hung des Angebots bei. Insbesondere sollen k\u00fcnftig effiziente Unternehmen von einer kostenlosen Zuteilung profitieren, w\u00e4hrend ineffiziente Anlagen K\u00fcrzungen bef\u00fcrchten m\u00fcssen, wenn sie keine Effizienzma\u00dfnahmen durchf\u00fchren.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzlicher Schiffsverkehr: Der Schiffsverkehr, der nun auch in den EU-Emissionshandel einbezogen wird, erh\u00f6ht die Zahl der verf\u00fcgbaren, aber auch der nachgefragten Zertifikate.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bis 12. Juni 2024 wurden rund 254 Millionen EUAs \u00fcber die European Energy Exchange versteigert. Diese Zahl umfasst 42,6 Mio. Zertifikate, die f\u00fcr Fonds und das REPowerEU-Programm versteigert wurden. Ziel des REPowerEU-Programms ist es, die Abh\u00e4ngigkeit der EU von russischen fossilen Brennstoffen zu beenden. Dies soll durch die Diversifizierung der Energiequellen, Energieeinsparungen und die beschleunigte Einf\u00fchrung erneuerbarer Energien erreicht werden. Ein Teil des REPowerEU-Plans wird von der Economic Recovery and Resilience Facility (ERRF) durch den Verkauf von ETS-Zertifikaten finanziert. Die Europ\u00e4ische Kommission plant, durch den Verkauf dieser Zertifikate 20 Milliarden Euro einzunehmen. Etwa 40% dieser Mittel sollen durch das Vorziehen der Versteigerung von Zertifikaten aufgebracht werden, die urspr\u00fcnglich zwischen 2027 und 2030 versteigert werden sollten. Diese Zertifikate werden nun auf den Zeitraum vor dem 31. August 2026 vorgezogen. Zusammengefasst wird es im Jahr 2024 auf der Angebotsseite des Prim\u00e4rmarkts mehr Zertifikate geben, was sich preisd\u00e4mpfend auf den Markt auswirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>EU-Emissionszertifikate werden erschwinglich bleiben<\/strong><\/p>\n<p>Die Chancen stehen gut, dass die EUA-Preise bis in den Herbst hinein erschwinglich bleiben. Aktuell liegt dieser bei rund 70\u20ac f\u00fcr eine Tonne CO<sub>2<\/sub>. Die Stromnachfrage sollte weiterhin einen preisd\u00e4mpfenden Effekt haben, die europ\u00e4ischen Industrieunternehmen stecken weiterhin in der Rezession und das Angebot hat sich erh\u00f6ht. Der schwarze Schwan dieser Prognose k\u00f6nnte ein durch eine heftige Hurrikansaison ausgel\u00f6ster starker Anstieg beim Gaspreis sein, der auch noch durch eine sich schneller als zu erwartende konjunkturelle Erholung der Industrie befeuert wird. Zus\u00e4tzlich wurde durch das novellierte Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz der Stichtag f\u00fcr die Abgabe von Emissionsberechtigungen vom 30. April auf den 30. September verschoben. Vor diesem Termin war in der Vergangenheit ein Anstieg der Preise f\u00fcr Emissionsberechtigungen zu beobachten, da die Anlagenbetreiber die ben\u00f6tigten Berechtigungen erwerben und auf das L\u00f6schkonto \u00fcbertragen mussten Wenn all diese Ereignisse im September zusammentreffen, k\u00f6nnte der EUA-Preis auch noch einen deutlichen Satz nach oben machen, wahrscheinlicher ist aber eine Seitw\u00e4rtsbewegung.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dekarbonisierung durch Stilllegung von EUAs weiterhin attraktive L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>CAP2 bietet die Dekarbonisierung ihrer unvermeidbaren Emissionen durch die Stilllegung von EUAs an. Gleichzeitig bietet CAP2 auch unabh\u00e4ngige Research zur erwartenden Preisentwicklung von EUA an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cap2.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/CAP2-Standpunkt-Strom_EUA-Preis_Draft_rh_Bilder_neu.pdf\">Laden Sie den ganzen Artikel als pdf runter.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was beeinflusst die Preisentwicklung von EU-Emissionszertifikaten? Ein, wenn nicht sogar der wichtigste Treiber der Preisentwicklung f\u00fcr EU-Emissionszertifikate (EUAs) ist die Strommarkt in der EU. Der Zusammenhang zwischen Strommarkt und EUA-Preisen ist vielschichtig und dynamisch. Eine h\u00f6here Stromnachfrage f\u00fchrt tendenziell zu steigenden EUA-Preisen, da mehr fossile Brennstoffe genutzt werden und somit mehr Emissionsrechte ben\u00f6tigt werden. Gleichzeitig beeinflussen aber auch Faktoren wie Brennstoffpreise, technologische Entwicklungen und regulatorische Ma\u00dfnahmen diese Beziehung. 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