{"id":2559,"date":"2024-04-30T13:06:58","date_gmt":"2024-04-30T13:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cap2.eu\/?p=2559"},"modified":"2026-01-26T13:09:12","modified_gmt":"2026-01-26T13:09:12","slug":"co2-reduktion-in-portfolios","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cap2.eu\/de\/co2-reduktion-in-portfolios\/","title":{"rendered":"CO2-Reduktion in Portfolios"},"content":{"rendered":"<p><strong>Asset-Manager geben Climate-Pledges ab<\/strong><\/p>\n<p>Viele Asset Manager haben sich in den letzten Jahren dazu verpflichtet, den CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck ihrer Portfolios zu reduzieren. Wer sich beispielsweise mit seinem Portfolio auf einem 1,5-Grad-Pfad bewegen m\u00f6chte, muss hierf\u00fcr den CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck seines Portfolios derzeit etwa um acht Prozent pro Jahr reduzieren. W\u00fcrden sich nun alle Firmen in ihrer wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t an dieser Vorgabe orientieren, l\u00e4ge auch die Welt in der Summe auf einem 1,5-Grad Pfad, und der Fu\u00dfabdruck eines jeden Portfolios w\u00fcrde auch automatisch diesem Pfad folgen. Da dies aber nicht der Fall ist, kann es auch f\u00fcr einen Investor, der mit seinen Investitionen in Anleihen und Aktien Emissionen indirekt verantwortet, sinnvoll und zielf\u00fchrend erscheinen, durch Umschichtung sein Portfolio auf einen 1,5-Grad-Pfad zu trimmen. Denn dann werden vom Investor in der Summe indirekt die Unternehmen finanziert, die mit diesem gew\u00fcnschten Pfad kompatibel sind.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren mehrten sich kritische Stimmen zur CO<sub>2<\/sub>-orientierten Umstrukturierung von Portfolios, wobei nicht die Zielsetzung, sondern der reale Erfolg dieser Ma\u00dfnahmen infrage gestellt wird. Einige Experten bezweifeln, dass der Kapitalmarkt allein effektive Impulse f\u00fcr die Wirtschaftstransformation setzen kann und schlagen stattdessen staatliche Regelungen und einen globalen Emissionshandel als effektivere Ma\u00dfnahmen vor. Akademische Studien unterst\u00fctzen diese Sichtweise und zeigen, dass finanzielle Restriktionen Unternehmen oft zu umweltsch\u00e4dlicheren Produktionsmethoden verleiten. Dies ist besonders relevant f\u00fcr ESG-orientiertes Impact-Investing, da Portfolio-Umschichtungen nur indirekte Effekte \u00fcber Kapitalkostenverschiebungen haben. Ein k\u00fcrzlich erschienenes Paper des National Bureau of Economic Research best\u00e4tigt, dass eine Erh\u00f6hung der Kapitalkosten f\u00fcr umweltsch\u00e4dliche Unternehmen paradoxerweise zu noch sch\u00e4dlicheren Praktiken f\u00fchren kann. Empirische Belege deuten darauf hin, dass ESG-Investments manchmal geringen klimatischen Nutzen bringen, da sie Unternehmen bevorzugen, die nur relativ geringe absolute Emissionsminderungen erreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine CO<sub>2<\/sub>-Reduktion ist in den ersten Jahren f\u00fcr Investoren sehr einfach<\/strong><\/p>\n<p>Trotz dieser Entwicklungen besteht immer noch ein breiter Konsens, Portfolios umzustrukturieren, besonders um den CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck zu reduzieren. Viele Asset Manager haben sich bereits zu Klimaschutzzielen verpflichtet, was einen R\u00fcckzug kaum m\u00f6glich macht. Doch diese Umschichtungen k\u00f6nnten langfristig weitere Probleme und Herausforderungen mit sich bringen, die vielen Investoren m\u00f6glicherweise nicht bewusst sind.Die Reduzierung des CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdrucks in Portfolios beginnt oft leicht durch den Verkauf besonders CO<sub>2<\/sub>-intensiver Positionen. Doch sobald diese offensichtlichen Schritte unternommen sind, kann es schwieriger werden, die angestrebte strategische Allokation beizubehalten. Dies liegt daran, dass es Unternehmen oft schwerf\u00e4llt, ihre CO<sub>2<\/sub>-Emissionen kontinuierlich zu reduzieren. Unternehmen, insbesondere schnell wachsende, haben oft Schwierigkeiten, die gew\u00fcnschten Reduktionsziele zu erreichen. Daher erfordert die Portfoliobereinigung Jahr f\u00fcr Jahr gr\u00f6\u00dfere Umschichtungen, was langfristig zu Herausforderungen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Simulation der Portfolioeffekte durch sukzessive CO<sub>2<\/sub>-Reduktion<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie gro\u00df sind diese Herausforderungen? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn niemand kennt die Zukunft. Die Vergangenheit ist aber an Kapitalm\u00e4rkten kein so schlechter Ratgeber, gerade wenn es um Risiken geht. Unser Versuchsaufbau sieht wie folgt aus: Wir haben die jeweiligen historischen Indexmitglieder des STOXX 600 Europa und des STOXX 600 Nordamerika genutzt, um Portfolios zu simulieren, die tats\u00e4chlich exakt so h\u00e4tten existieren k\u00f6nnen. In einem ersten Schritt wurden aus den jeweils 600 Aktien der beiden Indizes per Zufallsgenerator pro Region etwa 80-160 Aktien ausgew\u00e4hlt, mit denen die Region im Portfolio abgebildet wird. Die Aktien wurden entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichtet; die Portfolios waren immer voll investiert. F\u00fcr jedes dieser so erzeugten Portfolios wurde der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck bestimmt.<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt wurde nun der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck in einem vom Zufallsgenerator ausgew\u00e4hlten Umfang reduziert. Die Reduktion erfolgte durch Umschichtung oder Verkauf der zuvor ausgew\u00e4hlten Aktien des Ursprungportfolios ohne CO<sub>2<\/sub>-Restriktion. Die Umschichtungen (und in sehr seltenen F\u00e4llen die kompletten Verk\u00e4ufe) erfolgten jeweils auf eine Art, dass sowohl der zu erwartende Tracking Error zur jeweiligen Benchmark (STOXX 600 Europa oder STOXX 600 Nordamerika) wie auch zum Ursprungs-Portfolio minimiert wurde. F\u00fcr jede Region und jedes Jahr wurden jeweils 2.000 Durchl\u00e4ufe berechnet und dabei festgehalten, wie sich die relative Performance zum Ursprungsportfolio, der Tracking Error zur Benchmark und das absolute Risiko im Vergleich zum Ursprungsportfolio als Funktion der CO<sub>2<\/sub>-Reduktion ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Absolute und relative Risiken explodieren f\u00f6rmlich<\/strong><\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind \u00fcber sehr viele Jahre und beide Regionen hinweg sehr konsistent. So zeigt sich, dass Reduktionen des CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdrucks von mehr als 50 Prozent gegen\u00fcber dem Ursprungsportfolio zu massiven Abweichungen in der Performance gegen\u00fcber dem Ursprungsportfolio f\u00fchren. Es gibt Jahre, in denen eine sukzessive CO<sub>2<\/sub>-Reduktion zu einer gewissen Outperformance f\u00fchrt, aber es gibt \u00e4hnlich viele Jahre, wo genau das Gegenteil der Fall ist, dann teilweise sogar in sehr erheblichem Ausma\u00df. In den folgenden Grafiken zeigen wir aus Gr\u00fcnden der \u00dcbersichtlichkeit immer nur die Ergebnisse der Jahre 2022 und 2023, die hinsichtlich ihrer Auspr\u00e4gungen aber auch sehr repr\u00e4sentativ f\u00fcr die vorherigen Jahre sind. Beispielsweise haben Portfolios im Jahr 2022 in Nordamerika im Schnitt etwa sechs Prozentpunkte an Performance verloren, wenn man den CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck um 80 Prozent reduziert hat. Unter den 2.000 simulierten Portfolios befanden sich nur sehr wenige Portfoliostrukturen, die in dem Jahr \u00fcberhaupt von einer CO<sub>2<\/sub>-Reduktion profitierten. Ein \u00e4hnliches Bild zeigte sich in Europa; wichtiger als das jeweilige Vorzeichen der Out- oder Underperformance ist vielmehr das gewaltige Ausma\u00df der Abweichung von der Performance des Ursprungsportfolios in Prozentpunkten schon nach einem Jahr! Vielen Investoren ist vermutlich gar nicht bewusst, in welche relativen Risiken sie sich begeben, wenn sie den Weg hin zu klimaneutralen Portfolios \u00fcber Umschichtungen beschreiben. Absolute Risiken nehmen ebenfalls zu, sobald CO<sub>2<\/sub>-Restriktionen eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Der Tracking Error zur Benchmark steigt ebenfalls systematisch an, wenn CO<sub>2<\/sub>-Restriktionen greifen, was eine neue unerw\u00fcnschte Risikodimension schafft. Die Dramatik der Verschiebung fundamentaler und statistischer Eigenschaften von Portfolios durch CO<sub>2<\/sub>-induzierte Umschichtungen wird auch dadurch deutlich, dass sich Faktorskylines durch diese Umschichtungen komplett \u00e4ndern. Damit entstehen \u201eWetten\u201c in Investmentstilen gegen\u00fcber urspr\u00fcnglich angestrebten Investmentstilen, die so im Zweifel nie vom Investor gewollt waren. Wir haben \u00fcber 2.000 Portfolios f\u00fcr Europa und Nordamerika simuliert und festgestellt, dass die Eigenkapitalrendite deutlich steigt, wenn der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck reduziert wird. Eine solche Erh\u00f6hung mag zun\u00e4chst positiv erscheinen, aber in Aufschwungphasen k\u00f6nnen vor allem weniger profitable Werte besser abschneiden. \u00c4hnliche Verbesserungen in Kennzahlen zur Bilanzqualit\u00e4t gingen mit einer h\u00f6heren Portfolio-Bewertung einher. Diese Ver\u00e4nderungen, die oft einer halben Standardabweichung oder mehr entsprechen, bedeuten eine betr\u00e4chtliche Umgestaltung des Portfolioprofils.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>CAP2 statt Portfolioumschichtungen<\/strong><\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Entscheidung, sich als Investor allein durch Portfolioumschichtungen auf den Pfad einer CO2-Reduktion zu begeben, nicht nur vor dem Hintergrund aktueller theoretischer und empirischer Forschungsarbeiten einer kritischen W\u00fcrdigung bedarf. Wie unsere Simulationen deutlich nahelegen, werden Investoren schon bald auch ganz praktisch auf Grenzen der Portfoliokonstruktion sto\u00dfen und \u00fcber Alternativen in ihrer Vorgehensweise nachdenken m\u00fcssen.<\/p>\n<p>CAP2 bietet die L\u00f6sung f\u00fcr diese Problem. Mit unserem Ansatz bestimmen wir den Fu\u00dfabdruck eines Portfolios, kaufen im selben Umfang Europ\u00e4ischen Emissionsrechte und legen diese still. Auch ist es m\u00f6glich, dem Portfolio Wertpapiere beizumischen, die einen dezidiert negativen CO2-Fu\u00dfabdruck aufweisen, indem dieser Emissionsrechte verbrieft wird. Der Vorteil unserer Methodik liegt auf der Hand: Man gewinnt seine Freiheitsgerade in der Portfoliokonstruktion zur\u00fcck, l\u00e4uft nicht Gefahr, sich gezwungenerma\u00dfen von seiner angestrebten strategischen Allokation zu entfernen und kann seinen M\u00f6glichkeitenraum bis hin zum Rand der Effizienzkurve ausnutzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cap2.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/CAP2-Standpunkt-CO2-Reduktion-in-Portfolios_DE.pdf\">Laden Sie den gesamten Artikel als pdf runter.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Asset-Manager geben Climate-Pledges ab Viele Asset Manager haben sich in den letzten Jahren dazu verpflichtet, den CO2-Fu\u00dfabdruck ihrer Portfolios zu reduzieren. 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